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Weichteilsarkome |
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Bei der Behandlung von Weichteilsarkomen
arbeiten Spezialisten aus fast allen medizinischen Fachrichtungen
eng zusammen. Dazu zählen u.a. die Abteilungen für
Allgemeinchirurgie, Internistische Onkologie, Nuklearmedizin,
Orthopädie, Radiologie, Strahlentherapie, Unfallchirurgie
und Urologie. Die folgenden Fragen und Antworten sollen als
Hilfestellung für betroffene Patienten und ihre Angehörigen
neben der Aufklärung durch das medizinische Personal
dienen.
Die folgende Darstellung beschäftigt
sich vor allem mit den Weichteilsarkomen des Erwachsenenalters.
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Was sind Sarkome?
Der menschliche Körper besteht
aus einer Vielzahl verschiedener Gewebearten, die von bestimmten
Zelltypen gebildet werden. Diese Gewebe gehen im Verlauf der
embryonalen Entwicklung aus drei verschiedenen "Urgeweben"
hervor. Das sogenannte Ektoderm bildet den Ursprung für
Zellen von Haut, Haaren, Gehirn, Nerven und Sinnesorganen.
Aus dem Endoderm entstehen u.a. die Oberflächen (Schleimhäute)
der Lunge, der Harnblase und des Verdauungstraktes sowie Brustdrüse,
Leber und Bauchspeicheldrüse. Tumoren die aus diesen
Geweben entstehen, werden als Karzinome bezeichnet.
Aus dem sogenannten Mesoderm gehen u.a.
der Stütz- und Bewegungsapparat (Knochen, Muskeln), die
Weichteile (s.u.) und das Blut- und Lymphgefäßsystem
hervor. Diese Gewebetypen werden im ausgereiften Zustand als
mesenchymale Gewebe bezeichnet. Nahezu alle malignen Tumoren,
die aus solchen mesenchymalen Geweben entstanden sind, werden
als Sarkome bezeichnet. Das Wort Sarkom setzt sich dabei aus
den griechischen Worten "sarcos" Fleisch und "oma"
Geschwulst zusammen. Da es aber, wie schon oben erwähnt,
unterschiedliche Gewebetypen gibt, werden Sarkome unterteilt
nach ihrem jeweiligen Ursprungsgewebe bzw. ihrer Ähnlichkeit
zu vorhandenen Gewebstypen: Grob unterteilen lassen sich Knochensarkome,
Knorpelsarkome und Weichgewebssarkome, wobei diese wiederum
in verschiedene Unterformen unterteilt werden
Es sind etwa 15 klinisch bedeutende
Untergruppen von Sarkomen beschrieben (Tabelle 1), wobei Pathologen
diese noch einmal in zahlreiche weitere Untergruppen unterteilt
haben.
Tabelle 1: WHO-Klassifikation
maligner Weichgewebstumoren
1. Fibrös
2. Fibrohistiozytär
- Malignes fibröses Histiozytom
(pleomorph/Myxoid/Riesenzell/Inflammatorisch)
3. Lipomatös
- Liposarkom (gut-differenziert/myxoid/rundzellig/pleomorph/undifferenziert)
4. Glatte Muskulatur
- Leiomyosarkom/epitheloides LMS
5. Skelettmuskulatur
- Rhabdomyosarkom (embr./botryoid/spindelzellig/alveolär/pleomorph/Ektomesenchymoma)
6. Endotheliale Tumoren
- Angiosarkom
- Kaposi-Sarkom
7. Perivaskuläre Tumoren
- Hämangioperizytom
- Mal. Glomus-Tumor
8. Synoviale Tumoren
- Mal. tendosynovialer Riesenzelltumor
9. Mesotheliale Tumoren
- Mesotheliom (epithelial/spindelzellig/biphasisch)
10. Neurale Tumoren
- MPNST (Triton-Tu/glandulär/epitheloid)
- Mal. Granularzelltumor
- Klarzellsarkom
- Mal. Melanozytäres Schwannom
- Neuroblastom
- Ganglioneuroblastom
- PNET
11. Paragangliäre Tumoren
12. Knorpel-/Knochentumoren
- Extraskelettales Chondrosarkom
(gut differenziert/myxoid/mesenchymal/undifferenziert)
- Extraskelettales Osteosarkom
13. Pluripotente mesenchymale Tumoren
14. Verschiedene Tumoren
- Alveoläres Weichteilsarkom
- Epitheloidzellsarkom
- Extraskelettales Ewing-Sarkom
- Synovial-Sarkom (monophasisch)
- Mal. (extrarenaler) Rhabdoid-Tumor
- Desmoplastische Rundzelltumoren
15. Unklassifizierte Tumoren
Zum Verständnis der Begriffe:
- Leiomyosarkom = Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit
mit sog. glatter Muskulatur, z.B.
- der Gefäße oder der Gebärmutter
- Liposarkom = Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit
mit Fettgewebszellen
- Fibrosarkom = Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit
mit Bindegewebszellen
- Osteosarkom = Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit
mit knochenbildenden Zellen
- Synovialsarkom = Sarkom aus bzw.
Ähnlichkeit mit Gelenkkapselzellen
- Rhabdomyosarkom = Sarkom aus bzw.
Ähnlichkeit mit Zellen der quergestreiften Muskulatur
- Hämangioperizytom/ Angiosarkom=
Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit mit Blutgefäßen
- Chondrosarkom = Sarkom aus bzw. Ähnlichkeit
mit Knorpelzellen
- Neurofibrosarkom = Sarkom aus bzw.
Ähnlichkeit mit Zellen, die die Nerven schützen
und stützen
- Lymphangiosarkome = Sarkom aus bzw.
Ähnlichkeit mit Lymphgefäßzellen
- Gastrointestinales(r) Stromasarkom
oder -tumor (GIST) = Sarkom aus Zellen des Verdauungstraktes
Angesichts dieser Vielzahl von Begriffen
wird schon jetzt deutlich, dass es sich bei den Sarkomen um
eine sehr heterogene Gruppe von Erkrankungen handelt, die
eigentlich nur eine Sache gemeinsam haben, den gemeinsamen
Ursprung aus mesenchymalen Zellen.
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Gibt es auch "Nicht-Weichteil"-Sarkome?
Wie oben erwähnt, umfasst die
Gruppe der Sarkome bösartige Tumore, die aus mesenchymalen
Geweben hervorgehen. Darunter fallen zum Beispiel auch die
Knochen. Diese bilden unter anderem aufgrund ihrer besonderen
klinischen Charakteristika eine eigene Untergruppe, die Knochensarkome.
Man unterscheidet dabei v.a. das Osteosarkom (s.o.), das Ewing-Sarkom
und das Chondrosarkom.
Das Ewing-Sarkom erhielt seinen Namen
durch den Pathologen, der diese Unterform der Sarkome erstmals
beschrieben hat (James Ewing, New Yorker Pathologe, 1866-1943).
Seit kurzem rechnet man die primitiven neuroektodermalen Tumoren
(PNET) zur Gruppe der Ewingsarkome hinzu bzw. rechnet sie
einer Tumoruntergruppe gemeinsam zu. In der Literatur wird
man daher häufig die beiden Begriffe zusammen als "Ewing-Sarkom/PNET"
finden.
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Sind Sarkome häufig?
Im Vergleich zu den häufigsten
Tumoren, wie zum Beispiel Lungenkrebs und Brustkrebs sind
Sarkome selten. In Deutschland gibt es schätzungsweise
zwischen 1000 und 2000 Neuerkrankungen pro Jahr.
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Sind Sarkome häufiger bei
Kindern oder Erwachsenen?
Sarkome können prinzipiell in
jedem Alter auftreten. Im Kindesalter kommen in der Regel
andere Untergruppen von Sarkomen als bei Erwachsenen vor.
Zudem machen die Sarkome bei Kindern/Jugendlichen einen deutlich
höheren Anteil der bösartigen Tumoren insgesamt
aus.
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Wie entsteht ein Sarkom?
Die Ursachen für die Entstehung
von Sarkomen sind weitgehend ungeklärt. Die Exposition
mit einigen Industriegiften wurde vor einigen Jahren als mögliche
Ursache für Sarkome postuliert, allerdings konnte ein
sicherer Beweis dafür letztlich nicht geführt werden.
Nach vorangegangener Strahlentherapie können selten einmal
Sarkome im Bereich der bestrahlten Körperregion beobachtet
werden. Im weiteren werden Sarkome bei bestimmten angeborenen
Gendefekten beobachtet, die dann häufig zur Ausbildung
verschiedener Tumoren führen. Diese Syndrome sind aber
sehr selten und machen nur einen verschwindend geringen Anteil
der Sarkome aus. Das heißt, dass nahezu alle Sarkome
"spontan" auftreten; eine Ursache lässt sich
in den allermeisten Fällen nicht finden.
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Woran erkennt man ein Weichteilsarkom?
Die Verdachtsdiagnose eines Weichteilsarkoms
zu stellen, bedeutet eine Herausforderung, da dieses anfangs
oft nicht eindeutig von gutartigen Veränderungen zu unterscheiden
ist. Weichteilsarkome haben, wie alle bösartigen Tumoren,
die Eigenschaft, unbehandelt immer weiter zu wachsen. Wann
man ein Sarkom erkennt, hängt also vor allem davon ab,
wo es liegt und wann es Beschwerden macht. Bei Sarkomen, die
an Armen oder Beinen auftreten, bildet sich häufig über
mehrere Wochen und Monate eine schmerzlose Schwellung aus.
Gelegentlich fallen diese nach kleineren Verletzungen auf
und werden zunächst als Prellung fehlgedeutet. Sehr viel
häufiger sind auch sog. Lipome (gutartige Fettgeschwulste)
oder Fibrome (gutartige Bindegewebsgeschwülste), die
bei sehr vielen Menschen an verschiedenen Stellen des Körpers
vorkommen. Die meisten Sarkome wachsen zunächst verdrängend,
d.h. sie schieben das umliegende Gewebe zur Seite. Erst wenn
zum Beispiel Nerven von dem Tumor gedehnt oder angegriffen
werden, kommt es zu Schmerzen. Bei Sarkomen, die primär
im Bauchraum auftreten, dauert es häufig länger,
bis sie bemerkt werden. Unter Umständen können Sarkome
einen Großteil des Bauchraumes einnehmen, ohne dass
eine äußerliche Schwellung, Schmerzen oder Verdauungsprobleme
auftreten.
Weichteilsarkome treten zu 40% an den
Beinen, zu je 15% am Hals und den Armen sowie zu 30 % am Körperstamm
bzw. im Brustkorb oder Bauchraum auf. Knochensarkome führen
häufig zu bewegungsunabhängigen Schmerzen im betroffenen
Arm oder Bein. Manchmal kann man auch eine Schwellung und
Überwärmung der Haut sehen. Häufig werden die
Knochensarkome auch erst erkannt, wenn durch ihre Ausdehnung
ein Knochen instabil geworden ist und z.B. nach einem geringen
Trauma gebrochen ist.
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Wie wird ein Sarkom diagnostiziert?
Die einzige sichere Methode, die Diagnose
eines Sarkoms zu stellen, besteht darin, eine Probe dieses
Tumors zu entnehmen und unter dem Mikroskop zu untersuchen
(Histologie). Dabei erfordert es viel Erfahrung durch den
Pathologen. Zur genauen Klassifizierung werden daher die Proben
meist einem Referenzzentrum zugewiesen, wo mit verschiedenen
Spezialuntersuchungen das Ursprungsgewebe sowie der Grad der
Bösartigkeit bestimmt werden. Besteht schon im Vorfeld
der Probenentnahme (Biopsie) der Verdacht auf ein Sarkom,
sollte diese - wenn irgendwie möglich - in einem spezialisierten
Tumorzentrum durchgeführt werden, da selbst dieser Eingriff
schon eine große Bedeutung für die weitere Behandlung
des Sarkoms haben kann.
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Sind alle Sarkome einer Untergruppe
gleich?
Wie bereits zuvor erwähnt, stellen
die Sarkome eine sehr heterogene Gruppe von Tumoren dar. Obwohl
sie unter einem Begriff zusammengefasst werden, zeichnen sich
Sarkome z.T. durch ein völlig unterschiedliches Wachstumsverhalten
aus. Je mehr die Tumorzellen dabei normalen Gewebszellen ähneln,
umso langsamer teilen sie sich in der Regel. Man spricht daher
von einem hohen Grad der Differenzierung. Je schneller sich
die Sarkomzellen teilen, um so weniger lässt sich häufig
auch auf das ursprüngliche Gewebe schließen. Der
Tumor ist also undifferenzierter und wird als umso bösartiger
eingestuft. In der feingeweblichen Untersuchung (Histologie)
nimmt der Pathologe daher eine grobe Einteilung des Sarkoms
in den Grad der Differenzierung vor (Grading), welche meist
aus einer Skala von G1 bis G3 (oder 4) besteht. Diese Abstufungen
sind fließend.
Ein gut differenziertes Sarkom kann
über viele Monate oder sogar Jahre zu beachtlicher Größe
anwachsen, ohne Tochtergeschwülste auszubilden, während
undifferenzierte, sehr bösartige Sarkome bereits in frühen
Stadien Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper
absiedeln können.
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Was passiert, wenn man mit der
Diagnose eines Sarkoms in eine Klinik kommt?
Bevor letztendlich die Empfehlung für
eine Therapie durch den Arzt ausgesprochen werden kann, müssen
einige wichtige Untersuchungen durchgeführt werden. Die
Art der Behandlung hängt, wie schon oben erwähnt,
sowohl von der Art des Sarkoms, also der feingeweblichen Untersuchung
unter dem Mikroskop, als auch von der Ausdehnung bzw. dem
Vorhandensein von Tochtergeschwülsten ab. Zudem muss
die Funktion meherer Organe geprüft werden, da schon
bestehende Vorerkrankungen die Art der Therapie beeinflussen
können. In der Regel werden diese Untersuchungen in einer
Abteilung der Inneren Medizin bzw. einer onkologischen Fachabteilung
oder in einer chirurgischen Abteilung veranlasst und koordiniert.
Um die Ausdehnung des Tumors zu bestimmen,
wird in der Regel eine kernspintomographische Untersuchung
(MRT oder NMR) der betroffenen Tumorregion durchführt.
Zum Ausschluß von Metastasen werden mittels Computertomographie
(CT) Bilder des gesamten Körperstammes erzeugt. Sollte
der Verdacht auf eine Beteiligung des Kopfes bestehen, wird
zusätzlich auch noch ein CT der Kopf/Halsregion angefertigt.
Die empfindlichste Methode zur Erkennung von Knochenmetastasen
ist die Skelettszintigraphie, die häufig routinemäßig
einmal erfolgt. Es gibt bei der Blutuntersuchung keine Faktoren
(Tumormarker), mit deren Hilfe man ein Sarkom erkennen kann.
Dennoch existieren einige Blutwerte, die indirekt mit dem
Vorhandensein eines Sarkomes in Zusammenhang stehen. Diese
Blutwerte werden ebenfalls routinemäßig bei der
Aufnahmeuntersuchung erhoben.
Wenn die Erhebung der Befunde abgeschlossen
ist, werden die möglichen Behandlungsformen - entsprechend
der nachgewiesenen Tumorausdehnung - zwischen internistischen
Onkologen, Chirurgen und Strahlentherapeuten abgestimmt.
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Wie sieht die Behandlung von
Sarkomen aus?
Sind die o.g. Untersuchungen abgeschlossen,
erfolgt die Einteilung des Tumors in ein bestimmtes Tumorstadium.
Das heißt, dass sozusagen ein Risikoprofil erstellt
wird, anhand dessen die weitere Therapie festgelegt wird.
Die derzeit gebräuchlichste Stadieneinteilung wurde mit
vielen internationalen Spezialisten durch die Auswertung der
Krankheitsverläufe Tausender von Sarkompatienten erarbeitet
und zuletzt 1997 aktualisiert (UICC). Dabei spielt zum ersten
eine Rolle, ob der Tumor nur an einer Stelle vorliegt oder
schon Metastasen an anderen Stellen im Körper ausgebildet
hat.
Meist gelten die folgenden Therapierichtlinien
für Weichteilsarkome:
Weichteilsarkome mit hoher Differenzierung:
Liegt ein hochdifferenzierter (G1) Tumor
vor, der keine Metastasen ausgebildet hat, ist die Therapie
der Wahl die alleinige operative Entfernung. Vorraussetzung
dafür ist allerdings, das der Tumor mit großem
Sicherheitsabstand entfernt werden kann. Auch bei den extrem
selten vorkommenden Metastasen, sollte immer versucht werden,
diese komplett zu entfernen. Eine Nachbestrahlung ist in der
Regel nicht erforderlich.
Weichteilsarkome mit mittelgradiger
oder geringer Differenzierung ohne Metastasen:
Primäres Therapieziel bei allen
Sarkomen ist die chirurgische Entfernung des Tumors. Vorraussetzung
dafür ist, dass keine lebenswichtigen Strukturen dabei
gefährdet werden und wenn möglich auch keine Extremität
entfernt werden muss. Liegt eine mittelgradige (G2) oder geringe
Differenzierung (G3) bei Weichteilsarkomen an den Extremitäten
vor, folgt nach der Operation, sofern diese primär möglich
ist (operabler Tumor) meist eine zusätzliche Strahlentherapie.
Diese soll Tumorzellnester zerstören, die häufig
schon in unmittelbarer Umgebung des Tumors vorliegen, und
durch MRT oder CT nicht dargestellt werden können. Wie
man aus großen Untersuchungen herausgefunden hat, kann
das Ergebnis der Behandlung dadurch verbessert werden.
Ist dagegen bei dieser Konstellation
eine sichere Entfernung des Tumors (inoperabel) nicht möglich,
kann versucht werden, mit einer Chemotherapie und/oder Strahlentherapie
oder mit beiden Verfahren kombiniert den Tumor vor einer Operation
soweit zu verkleinern, dass dieser dann nach den bestmöglichen
Maßstäben komplett entfernt werden kann. Nur wenn
dies nicht gelingt, muss gegebenenfalls eine Extremität
amputiert werden. Zusätzlich gibt es auch noch andere
Verfahren, einen Tumor der Extremitäten "operabel"
zu machen, wie z.B. die Verabreichung der Chemotherapie direkt
in die betroffene Extremität, die Chemoperfusion. Dabei
wird eine Chemotherapie direkt und isoliert in den Blutkreislauf
der betroffenen Extremität gegeben, wodurch sehr hohe
Dosen einer Chemotherapie vor Ort erreicht werden können,
die der Körper insgesamt sonst nicht vertragen würde.
Alternativ kann unter experimentellen Studienbedingungen auch
mit Hilfe von Hyperthermie, d.h. einer Überwärmung
des Tumors, in Kombination mit Chemotherapie, eine Tumorverkleinerung
zu erreichen versucht werden. Die Wirksamkeit einzelner dieser
Verfahren wird derzeit noch diskutiert Diese werden daher
im Rahmen von Studien an spezialisierten Zentren geprüft.
Der genaue Ablauf einer solchen Therapie muss allerdings ganz
individuell für jeden Patienten entwickelt werden.
Bei mittelgradig (G2) bis wenig differenzierten
(G3) Weichteilsarkomen im Bereich des Körperstammes,
die nach präoperativer Einschätzung mit großer
Wahrscheinlichkeit nicht im Gesunden operativ entfernt werden
können, kann in wenigen spezialisierten Zentren im Einzelfall
neben einer äußerlichen (perkutanen) Strahlentherapie
und/oder einer Chemotherapie zusätzlich eine sog. intraoperative
Radiotherapie (IORT) erfolgen.
Trotz kompletter Entfernung lokalisierter
Sarkome gibt es gelegentlich kleinste Tumorabsiedelungen,
die mit dem Blutstrom verschleppt wurden und die durch ein
MRT oder CT nicht entdeckt werden können. Ein gewisser
Anteil der Patienten, bei denen der Tumor komplett entfernt
wurde, entwickelt daher Monate oder Jahre nach einer Behandlung
des sogenannten Primärtumors mittels Operation plus/minus
Strahlentherapie an anderen Stellen des Körpers Tochtergeschwülste
(Metastasen). Es wird daher zur Zeit untersucht, ob eine Chemotherapie
in der Lage ist, diese "unsichtbaren" Zellen ebenfalls
abzutöten. Die bisherigen Ergebnisse einzelner Therapiestudien
zeigen zwar einen gewissen Trend zugunsten einer zusätzlichen
Chemotherapie; allerdings sind diese Ergebnisse in ihrer Gesamtheit
statistisch derzeit nicht hinreichend aussagekräftig,
um eine zusätzliche Chemotherapie außerhalb sogenannter
Therapiestudien generell zu empfehlen.
Aus diesem Grunde wird derzeit europaweit
eine sog. randomisierte Therapiestudie durchgeführt,
in der der mögliche Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie
geprüft wird. Es ist zu hoffen, dass diese Untersuchung
hinreichend aussagekräftige Ergebnisse erkennen läßt,
die für Patienten und behandelnde Ärzte zukünftig
eine solidere Grundlage für diese Therapieentscheidung
darstellen kann.
Gering differenzierte Weichteilsarkome
mit Metastasen:
Liegen bei mittelgradig (G2) oder wenig
differenzierten (G3) Weichteilsarkomen Metastasen vor, deren
operative Entfernung technisch nicht möglich oder tumorbiologisch
nicht sinnvoll ist, wird in der Regel eine Chemotherapie verabreicht.
Eine solche Therapie kann das Ziel haben, die Metastasen zu
verkleinern, so dass beispielsweise bei nur wenigen Metastasen
in der Lunge eine nachgeschaltete Operation und Entfernung
der Tumorreste erwogen werden kann. Falls eine nachgeschaltete
Operation nicht in Betracht kommt, hat die Chemotherapie zum
Ziel, den Tumor so lange wie möglich in seinem Wachstum
zu kontrollieren; das heißt, wenn möglich, zu verkleinern
oder auch einfach an seinem Wachstum zu hindern. Trotz der
Einschränkungen und der Nebenwirkungen durch die Chemotherapie
wird die Lebensqualität durch eine Chemotherapie in vielen
Fällen gebessert, da eventuelle tumorbedingte Beschwerden
gelindert werden.
Die für die Sarkombehandlung zur
Verfügung stehenden Chemotherapeutika (Zytostatika) umfassen
seit langem bekannte und erprobte Medikamente wie beispielsweise
Ifosfamid, Adriamycin und Dacarbacin. (überwiegend für
Weichteilsarkome) sowie zusätzlich Platinderivate, Methotrexat
und Etoposid (überwiegend für Knochensarkome). Neuere
Medikamente, die gelegentlich bei bestimmten Sarkomformen
zum Einsatz kommen, umfassen u.a. Gemcitabin, Docetaxel, ET743
oder Topotecan. Die zuvor genannten Medikamente werden je
nach Art des Sarkoms, der Tumorausdehnung und der möglichen
Begleiterkrankungen allein oder in Kombination verabreicht.
Für bestimmte Weichteilsarkome
des Magen-Darm-Bereichs, sog. gastrointestinale Stromatumoren
(GIST), die nur selten auf die o.g. Medikamente ansprechen,
ist das Medikament Glivec (STI571, Imatinib, Gleevec) verfügbar,
welches auch bei fortgeschrittener Tumorerkrankung eine recht
hohe Tumorverkleinerungswahrscheinlichkeit aufweist. Aktuell
sind auch neue Medikamente in Erprobung (SU11248, AMG706),
die wirksam sein können, wenn Glivec nicht mehr ausreichend
wirkt.
Hinsichtlich der GIST siehe auch die
gesonderte Internetseite.
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Was kann man bei einem Rückfall
der Erkrankung tun?
Bei einigen Patienten, bei denen ein
Weichteilsarkom primär erfolgreich behandelt wurde und
komplett entfernt werden konnte, kommt es nach einigen Monaten
oder Jahren zu einem Rückfall der Erkrankung. Liegt dieser
Rückfall im Bereich des Primärtumors, sollte dieser
- falls technisch möglich -komplett chirurgisch entfernt
werden. In diesen Fällen gilt es vorab jedoch sorgfältig
zu prüfen, ob eine zusätzliche präoperative,
postoperative und intraoperative Strahlentherapie und ggf.
auch eine Chemotherapie sinnvoll und möglich ist. In
Einzelfällen können neuere bzw. experimentelle Therapieverfahren
wie beispielsweise die isolierte Extremitätenperfusion
(ILP) mit Melphalan und Tumornekrosefaktor alpha (TNF) oder
auch eine Hyperthermie zum Einsatz kommen.
Bei Vorliegen von Fernmetastasen kann
unter bestimmten Voraussetzungen versucht werden, diese chirurgisch
zu entfernen. Insbesondere bei Metastasen in der Lunge kann,
abhängig von der Zahl und Größe der Metastasen,
eine Operation bei einigen Patienten/innen die Chance auf
eine langfristige Tumorfreiheit erhöhen. Sollte eine
Operation zunächst nicht in Betracht kommen, kann eventuell
durch eine Chemotherapie und/oder Strahlentherapie versucht
werden, den Tumor so zu verkleinern, dass eine Operation möglich
ist.
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Wie hoch sind die Chancen auf
eine Heilung bei einem Sarkom?
Diese für die Betroffenen brennendste
Frage ist gleichzeitig auch die für den Arzt am schwierigsten
zu Beantwortende. Prinzipiell gilt, dass niemand mit Bestimmtheit
für den einzelnen Patienten zu Beginn der Erkrankung
sagen kann, ob die Erkrankung geheilt werden kann. Im Einzelfall
kann anhand der verschiedenen Merkmale des Tumors bzw. des
bisherigen Krankheitsverlaufs versucht werden abzuwägen,
ob ein sogenanntes kuratives, auf eine langfristige Tumorfreiheit
ausgerichtetes Behandlungskonzept vorliegt oder ob das vorrangige
Behandlungsziel eher darin liegen könnte, die Tumorerkrankung
so lange und so gut es mit einer akzeptablen Lebensqualität
vereinbar ist, zu kontrollieren. Ganz allgemein läßt
sich feststellen, dass ein großer Teil aller Patienten
mit einem Knochensarkom oder einem Weichteilsarkom, die bei
Erstdiagnose keine Fernmetastasen aufweisen, nach fachgerechter
Behandlung des Ersttumors langfristig tumorfrei bleibt und
somit voraussichtlich als geheilt angesehen werden kann.
Bei Vorliegen von Fernmetastasen sind
die Chancen auf eine dauerhafte Tumorfreiheit generell geringer.
Abhängig vom Risikoprofil (Wachstumseigenschaften des
Tumors, Anzahl, Größe und Lokalisation der Fernmetastasen,
Begleiterkrankungen) kann aber auch in dieser Situation unter
bestimmten Voraussetzungen noch eine Heilungschance vorhanden
sein.
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Was sind Chemotherapiestudien?
Da Sarkome selten sind, werden Therapiestudien
bei diesen Tumorerkrankungen häufig von mehreren größeren
Zentren in Zusammenarbeit durchgeführt. Ohne solche Studien
sind wissenschaftlich fundierte Fortschritte auch in der Sarkomtherapie
nicht möglich.
Heutzutage werden neue Chemotherapeutika/Zytostatika
zunächst in Zellkulturen und anschließend im Tierversuch
auf ihre "Giftigkeit" und mögliche Wirksamkeit
getestet. Da Versuchstiere einen anderen Stoffwechsel als
Menschen aufweisen, muss der nachfolgende Einsatz neuer Medikamente
an Menschen sehr vorsichtig und unter streng kontrollierten
Bedingungen erfolgen. Dabei wird meist mit einer sehr niedrigen
Dosierung begonnen und diese solange gesteigert, bis eine
maximale Wirkung erreicht ist oder Nebenwirkungen auftreten.
Solche Studien werden Phase I - Studien genannt. Dabei gelten
strengste Sicherheitsvorkehrungen und in der Regel lassen
sich durch engmaschige Untersuchungen und Laborkontrollen
schwerwiegende Nebenwirkungen vermeiden. Die Zulassung einer
solchen Studie geschieht nur, wenn es in Vorversuchen Hinweise
für eine Wirkung dieser Substanzen gibt. In der Regel
dürfen nur solche Patienten daran teilnehmen, bei denen
alle etablierten Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft
wurden und die mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis
freiwillig an einer solchen Studie teilnehmen möchten.
Im nächsten Schritt wird bei einer
kleinen Anzahl von Patienten die Wirksamkeit mit einer zuvor
anhand der Phase I - Studie festgelegten Dosis eingehender
überprüft. Solche Studien nennt man Phase II - Studien.
Kann dabei eine Wirksamkeit bei akzeptabler Verträglichkeit
nachgewiesen werden, muss die neue Therapieform mit einer
etablierten Behandlung verglichen werden. Um eine Ergebnisverfälschung
zu vermeiden und wissenschaftlich hinreichend verlässliche
Ergebnisse zu erzielen, müssen dabei die Patienten zufällig
einer der zu vergleichenden Therapieformen zugeordnet werden
(sog. randomisierte Phase II - Studien oder Phase III - Studien).
Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand kann durch solche Studien
dann verhältnismäßig sicher die Wirksamkeit
bzw. der Vorteil einer Substanz gegenüber schon etablierten
Substanzen festgestellt werden. Natürlich können
neben Medikamenten auch bestimmte Operations- oder Bestrahlungsformen
im Rahmen von Studien verglichen werden.
Wichtig für Patienten ist es dabei
zu wissen, dass die Teilnahme an Studien freiwillig ist und
jederzeit abgebrochen werden kann. Wenn ein Patient nicht
im Rahmen einer Studie behandelt werden möchte oder aber
eine begonnene Behandlung in einer Studie beenden möchte,
hat dies selbstverständlich in keiner Weise negative
Folgen für die weitere Behandlung. Therapiestudien erfolgen
nur dann, wenn sie vorab durch eine sogenannte Ethik-Kommission
begutachtet wurden. Grundsätzlich ist davon auszugehen,
dass mit Hilfe sog. Therapiestudien zukünftig eine Verbesserung
der Behandlung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit oder Verträglichkeit
erzielt werden soll. Die möglichen Vor- und Nachteile
einer Studienteilnahme werden jedoch immer sorgfältig
gegen eine individualisierte Therapie außerhalb von
Studien abgewogen. Wichtigstes Ziel ist es, dass jede(r )
Patient(in) eine für seine/ihre spezielle Tumorsituation
am besten geeignete Therapieform erhält.
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